Amade 2010

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Image Der 17. Amadé 2010 sollte als der witterungsanspruchsvollste in die Geschichte eingehen.

Die Wetterprognosen sorgten beim Alpencup-Team (Christian, Martin, Dirk V., Uwe W. und Franzi) sowie den zahlreich angereisten Radmarathonis (JJ, Angie, Ralf, René und natürlich Gerd) für leichte Nervosität bei der Rennvorbereitung. So mussten Kreditkarten gezückt, Geld und Material geliehen werden, um die notwendigen (und wie sich später herausstellen sollte dennoch überflüssigen) Überschuhe, Mützen, Handschuhe und Schutzbleche heran zu schaffen. Selbst Startnummern wurden zum Spritzwasserschutz umfunktioniert.

ImageImageAlle Hoffnungen eines zumindest trockenen Starts lösten sich buchstäblich in Wasser auf. Wie hilfreich würde doch jetzt ein(e) liebevoll, gut zuredende(r) Betreuer/-in sein, dachten wir uns alle. Angie erkannte die kritische Situation sofort, opferte ihren Startplatz um sich selbstlos und hingebungsvoll um uns Wahnsinnige zu kümmern.

Ob der Wetterlage waren die Startblöcke recht lückenhaft befüllt und ermöglichten ein friedliches Einfahren in den ersten Anstieg ohne der Notwendigkeit des sonst üblichen Stauens/Ausklickens/Absteigens/Schiebens. Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Feuchtigkeitsabwehr von Hand- und Überschuhen dahin.

Nach Forstau hinauf ließ es sich gut an: zwar nass (von oben, unten, innen und außen), dafür aber warm. Die erste Abfahrt ließ jedoch  eben so schnell erahnen, was noch kommen sollte. Mit Aquaplaning-Geschwindigkeit von sagenhaften 30 km/h ging es die sonst zu Geschwindigkeitsrekorden prädestinierte Abfahrt hinab.

ImageImageDas nicht mehr vorhandene Gefühl in Fingern und Fußzehen ließ den bevorstehenden Anstieg nach Ramsau dafür in ganz neuem Licht erstrahlen: die heiße Dusche in weiter Ferne versprach zumindest das Bergan-Fahren eine gewisses Wiederherstellen der Blutzirkulation in den Extremitäten.

Den Schmerz der Muskeln aufgrund der Kälte schon längst nicht mehr spürend, mussten nun auch alle logischen Gedankengänge über Sinn und Irrsinn diese Fahrt eingefroren werden. Glücklicherweise peitschten nun nicht mehr die Regentropfen gegen die Stirn, sondern die Schneekristalle. JJ hatte inzwischen von Startblock 3 zu mir aufgeschlossen. Ich freute mich.

Da die Cupwertung verpflichtet, bogen alle Picardellics-Langstrecken-Cup-Fahrer plus JJ vorbildlich, aber mit vielen Tränen (oder geschmolzenen Schneeflocken) in den Augen zur langen Strecke ab. Die Wende ließ gefühlte Hundert Kilometer und -20 Grad auf sich warten. Endlich kam mir Christian in der ersten großen Verfolgergruppe und wenig später Martin entgegen. Ich strahlte!

Frauen konnte ich bis auf diejenige in meiner Gruppe nicht ausmachen, was bei all den regenmantelverhüllten Gestalten aber auch außerordentlich schwierig war.

ImageImageInzwischen zitterte ich am ganzen Körper. Aus Angst, die Kräfte würden mich bald verlassen, suchte ich meine Riegel. Neidvoll beobachtete ich, wie ein Fahrer vor mir entspannt und genüsslich seine aufgeweichten Riegel vom Oberrohr vernaschte, während ich mit steifgefrorenen, triefenden Fingern kräfteraubend die Nahrung aus der Trikottasche wurschtelte.

Über jede überwundene Welle freute ich mich mehr und das Ziel, Angie und die Dusche kamen in erreichbare Nähe. Plötzlich war ich allein, ca. 80 m vor meiner Gruppe. Sollten meine Beine so gut sein allein weiter zu fahren? Glücklicherweise schlossen 2 Männer zu mir auf und wir kreiselten ohne große Worte. Es konnte doch nun wirklich nicht mehr weit sein?! Endlich die Ausschilderung „Radstadt". Endlich die Bundesstraße. Endlich nur noch flach und Rückenwind. Ich gab, was die Beine hergaben. Nur noch wenige Kilometer.

Kurve rechts, Kurve links und wieder rechts: Einfahrt ins Ziel. Aus dem Lautsprecher tönte: „und hier erreicht die erste Frau der langen Strecke das Ziel: Franziska Reinfried vom Picardellics Velo Team". 175 km geschafft!

Dank an Martin, der hinter der Ziellinie meine Freude und mich auffangen konnte.

Dank auch an Angie, René und Uwe, die sofort mit trockenen Sachen zur Stelle waren, an Christian für`s geduldige Schuhplatten einstellen am Vortag und Dank an alle für das gemeinsame Erlebnis.

Ergebnisse:

Christian: trotz Defekt Platz 37, 28 (AK)

Martin: Platz 56, 15 (AK)

JJ: Platz 103, 35 (AK)

Dirkus: Platz 147, 92 (AK),

Teamwertung lange Strecke: Platz 5

Rene: Platz 115, 95 (AK)

Uwe: Platz 231, 159 (AK)

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